Familien dürfen nicht zum Sparschwein der Haushaltssicherung werden

In der vergangenen Ratssitzung wurden mehrere Maßnahmen beschlossen, die insbesondere Familien in Korschenbroich zusätzlich belasten. CDU und SPD verwiesen dabei  auf die Haushaltssicherung. Doch nach unserer Meinung darf Haushaltssicherung nicht bedeuten, dass die Belastungen immer wieder einseitig auf Familien und Kinder abgewälzt werden!

Massive Mehrbelastung bei den OGS-Beiträgen

Die Beiträge für die Offene Ganztagsschule (OGS) werden erhöht. Positiv ist dabei ausdrücklich, dass die Grenze der Beitragsfreiheit auf 37.000 € Jahreseinkommen angehoben wurde.

Gleichzeitig wurde jedoch eine jahrelang praktizierte Entlastungsregelung abgeschafft: Bislang mussten Familien nur den halben OGS-Beitrag zahlen, wenn ein Geschwisterkind ebenfalls betreut wurde – selbst dann, wenn dieses sich bereits in den letzten beitragsfreien Kindergartenjahren befand. Der „Geschwister-Bonus“ während der  beitragsfreien Jahren wird nun abgeschafft, CDU und SPD stellen dies  als „Bereinigung einer Unfairness“ dar.

Was das konkret bedeutet, zeigt ein Beispiel:

Eine Familie mit drei Kindern – ein Kind in den letzten beiden Kindergartenjahren, ein Kind in der Grundschule und ein Kind auf einer weiterführenden Schule – mit einem Jahreseinkommen zwischen 50.001 € und 62.000 € muss künftig jährlich 1.092 € mehr zahlen.

Zum Vergleich: Die eigentliche reguläre Beitragserhöhung hätte lediglich rund 60 € Mehrkosten pro Jahr bedeutet. Von einer „moderaten Erhöhung“ kann für die betroffenen Familien daher keine Rede sein.

Tablet-Pauschale ab Klasse 8 in den Korschenbroicher Schulen beschlossen

Zusätzlich wurde von CDU und SPD beschlossen, ab der 8. Klasse eine jährliche Pauschale von 50 € pro genutztem Tablet und Kind einzuführen.

Besonders problematisch ist dabei, dass die Schulleitungen der weiterführenden Schulen im Vorfeld erhebliche Bedenken geäußert haben. Sie befürchten, dass Familien die Zahlung verweigern und lieber ein eigenes Gerät anschaffen könnten und dadurch der digitale Unterricht massiv erschwert wird. Trotzdem haben CDU und SPD diese Maßnahme beschlossen.

Digitale Bildung ist eine zentrale Zukunftsaufgabe. Der Zugang dazu darf nicht von zusätzlichen Gebühren abhängig gemacht werden.

Auch Schwimmbadbesuche werden teurer

Hinzu kommt die Erhöhung der Schwimmbadtarife. Zwar fallen die Anpassungen hier vergleichsweise moderat aus. Doch auch diese zusätzlichen Kosten treffen erneut Familien – insbesondere vor dem Hintergrund der bereits beschlossenen Mehrbelastungen.

Familienpolitik ist gesellschaftliche Verantwortung

Korschenbroich befindet sich in der Haushaltssicherung. Das ist eine schwierige Situation, die verantwortungsvolles Handeln erfordert. Wir Grünen haben in dieser Situation den Haushalt 2026 mitgetragen und das Haushaltssicherungskonzept unterstützt. Wir sagen daher ganz deutlich, die Haushaltssicherung darf nicht zur Begründung dafür werden, zuerst die Familien immer weiter zu belasten.

Bemerkenswert ist zudem, dass bei den Haushaltsberatungen 2026 weder die Defizite im OGS-Bereich noch die zusätzlichen Belastungen durch die Betreuung der Schultablets oder die steigenden Unterhaltungskosten des Schwimmbades offen thematisiert wurden.

Für uns ist klar: Familien zu unterstützen ist keine freiwillige Zusatzleistung, sondern gesellschaftliche Gesamtverantwortung. Familie zu sein ist kein Privatproblem!

Gerade in Zeiten, in denen auf Bundesebene weitere Belastungen diskutiert werden – etwa Kürzungen beim Kinderkrankengeld oder zusätzliche Beiträge in der Familienversicherung – müssen Kommunen besonders sensibel handeln.

Wir – Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke – haben das Gesamte im Blick. Auch in der Haushaltssicherung müssen Lasten fair verteilt werden. Familien und Kinder dürfen dabei nicht die ersten sein, die am Ende die Rechnung zahlen!