Julia Edelburg fordert höhere Taktung und bessere Anbindung der Buslinien an den Schienenverkehr

Ihre kommunalpolitischen Schwerpunkte sind die Themenfelder Nachhaltigkeit und Inklusion. Aber auch für eine zügige und umfassende Verkehrswende will sich die Schlicherin Julia Edelburg im nächsten Rat stark machen und kandidiert daher auf Platz 7 der grünen Liste. Seit 2018 ist die 35jährige Juristin als Sprecherin im Ortsverband von Bündnis 90/die Grünen sowie als sachkundige Bürgerin in Rats- und Kreistagsfraktion (Umweltausschuss) aktiv.

Julia, als Berufspendlerin bist Du tagtäglich mit einer Realität konfrontiert, die weit abweicht von der verkehrspolitischen Wunschvorstellung der Grünen. Schildere doch bitte einmal Deine Erfahrungen.

Julia Edelburg: Oh ja, allerdings. Ich arbeite in Köln-Deutz. Meistens fahre ich mit dem Auto zum Bahnhof Grevenbroich (eine Busverbindung gibt es nicht) und von dort dann weiter mit der Bahn. Bis zu meinem Arbeitsplatz bin ich eine gute Stunde unterwegs. In Grevenbroich kann ich früh morgens zumindest zwischen drei Regionalzügen wählen und bin so flexibel. Auch für den Rückweg habe ich zwei Regionalzüge zur Auswahl. Ein Umsteigen ist nicht erforderlich. Ökonomischer wäre es und mir auch lieber, von und bis Kleinenbroich zu fahren. Erste Hürde jedoch hier: es gibt keine Busverbindung von Schlich zum S-Bahnhof, auch keine Direktverbindung zum Neusser Hauptbahnhof. Auf das Fahrrad kann ich leider nicht in allen Situationen zurückgreifen. Weiter ist die Verbindung über Neuss nach Köln alles andere als gut. Morgens gibt es lediglich eine passable Verbindung pro Stunde. Derzeit steht auch nur ein Regionalzug zwischen Neuss und Köln zur Verfügung. Insbesondere für den Rückweg fehlt so die Flexibilität. Die Verbindungen über Düsseldorf nach Köln-Deutz sind keine Alternative.
Nicht zu vernachlässigen ist übrigens auch der erhebliche finanzielle Aufwand. Trotz eines Jobtickets ist gerade das verkehrsverbund-übergreifende Pendeln immer noch eine teure Angelegenheit.

Die bessere Anbindung aller Korschenbroicher Ortsteile an den Schienenverkehr und eine höhere Taktung desselben sind Forderungen, die wir Grüne in unserem Programm aufstellen. Wie sollte das konkret aussehen?

JE: Richtig. Die Verdichtung der Bustakte und die Anbindung der Buslinien an den schienengebundenen Nahverkehr haben oberste Priorität. Insbesondere die kleineren Ortsteile wie Raderbroich, Lüttenglehn, Epsendorf, Steinforth-Rubbelrath und Schlich müssen besser an den Schienenverkehr angebunden werden. Hierzu müssen häufige Schnellverbindungen – möglichst Direktfahrten – zu und von den S-Bahnhöfen Korschenbroich und Kleinenbroich etabliert werden. Diese Verbindungen sind zwingend auf den S-Bahntakt abzustimmen. Das heißt, dass die S-Bahnen entspannt erreicht werden können ohne zu lange auf den Anschluss warten zu müssen. Aber auch, dass ein Bus am Bahnhof wartet, falls eine S-Bahn wenige Minuten zu spät ist. Unser Ziel ist es, sich aus jedem Ortsteil mit Bus und Bahn im Stadtgebiet fortbewegen und auch an überörtliche Ziele gelangen zu können. Dazu müssen auch die überörtlichen Busverbindungen – etwa die Buslinie 864 – in ihrer Taktung erhöht und an den Schienenverkehr angebunden werden. Ebenso ist es natürlich erforderlich, den S-Bahn-Takt auf 15 Minuten zu erhöhen und mehr Regionalbahnhalte in Korschenbroich und Kleinenbroich zu ermöglichen.

Stichwort Busverbindung: Auch hier liegt vor Ort einiges im Argen. Wie soll beispielsweise ein Bürger aus Steinforth überzeugt werden, vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen, wenn er zu einem Termin in Korschenbroich anderthalb Stunden früher in den Bus der Linie 31 steigen muss? Mit dem PKW benötigt man für die gleiche Strecke zehn Minuten.

JE: Das ist ein sehr gutes Beispiel für die mangelhafte Anbindung der kleineren Ortsteile an Bus- und Bahnverkehr und die schlechte Verbindung zwischen den einzelnen Ortsteilen. Aus rein zeitlichen Gründen ist es nur nachvollziehbar, in dem geschilderten Fall das Auto zu nehmen. Deshalb ist eine Erhöhung der Taktfrequenz so wichtig. Den Ansatz, den Ausbau deshalb zu verhindern, weil die Auslastung der Busse zu gering sei, halte ich daher für falsch. Ich bin der Meinung, dass viele Bürger*innen gerne Busse im Stadtgebiet nutzen wollen. Voraussetzung ist jedoch ein gutes Nahverkehrsangebot, so dass Fahrten flexibel vorgenommen werden können und man zügig von A nach B kommt. So können dann auch die Vorteile des ÖPNV gegenüber dem Individualverkehr überwiegen, wie etwa ein Ersparen der lästigen Parkplatzsuche und des generellen Stresses im Straßenverkehr.

Die bisher Verantwortlichen in Rat und Verwaltung verweisen in diesem Zusammenhang gerne auf das bürgerschaftliche Engagement. So ist der Bürgerbus zweifellos eine richtig gute Ergänzung im Nahverkehrsangebot – die allerdings seit Monaten Pandemie-bedingt nicht zur Verfügung steht. Wie schätzt Du die Situation ein?

JE: Der Bürgerbus und das ehrenamtliche Engagement sind ohne Frage eine tolle Sache. Dieses bürgerschaftliche Angebot wird aber dringend benötigt, weil die Stadt nicht selbst für ein ausreichendes und gutes Angebot sorgt. Das wird in Zeiten von Corona gerade wieder sehr deutlich. Wir fordern, dass die Stadt ihrem „Versorgungsauftrag“ nachkommt und sich nicht allein auf ehrenamtliches Engagement verlässt. Uns ist es wichtig, eine Ausweitung des Bürgerbusangebots nur nachrangig zu prüfen.

Wir fordern darüber hinaus eine*n Mobilitätsmanager*in in der Stadtverwaltung und Mobilitätsstationen an den Bahnhöfen in Korschenbroich und Kleinenbroich sowie an der Haltestelle Glehn-Kirche. Kannst Du bitte erläutern, was genau sich hinter diesen grünen Programmpunkten verbirgt?

JE: Die Überarbeitung der städtischen Gesamtplanung zum ÖPNV ist eine komplexe und fachbereichsübergreifende Aufgabe, zu deren erfolgreichen Umsetzung es einer Gesamtkoordination bedarf. Die Ideensammlung und Initiierung von Mobilitätsmanagementvorhaben, die Kommunikation innerhalb der Verwaltung und mit externen Partnern (wie Verkehrsunternehmen) sowie die Koordinierung verwaltungsinterner Prozesse können so gebündelt an einer Stelle erfolgen.

Mobilitätsstationen ermöglichen eine Verknüpfung verschiedenster Verkehrsformen, indem dort z. B. Fahrradboxen und Ladestationen für E-Bikes vorhanden sind. Sie können aber auch Haltepunkte für Fahrgemeinschaften und Mitfahrgelegenheiten sein. Durch diese Maßnahmen soll die Mobilität aller Bürger*innen – unabhängig von Einkommen, Alter und körperlicher Beeinträchtigung – verbessert, erleichtert und auch ohne eigenen Pkw ermöglicht werden. Die anvisierten Orte sind zentral, bieten ausreichend Platz und weisen teils schon entsprechende Infrastruktur auf.

(Dieses Interview ist Teil der Gespräche, die wir mit unseren Kandidaten für die Kommunalwahl 2020 veröffentlichen. Inhaltlich im Fokus steht dabei unser 12-Punkte-Programm „Mehr Grün für Korschenbroich“.)

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