tanja hannemann

Frischluftschneisen, Begrünungskonzepte und Gemeinschaftsgärten: Tanja Hannemann will mehr Grün für Korschenbroich

Tanja Hannemann kandidiert auf Platz 3 der grünen Reserveliste bei der Kommunalwahl 2020 für den Korschenbroicher Stadtrat. Die 45jährige Diplom-Sozialpädagogin arbeitet als selbständige Berufsbetreuerin für die Amtsgerichte Mönchengladbach und Rheydt. Zusammen mit ihrer Familie lebt sie seit 2008 in Alt-Korschenbroich. Wir haben uns mit ihr darüber unterhalten, wie Korschenbroich noch grüner werden kann.

Tanja, „Mehr Grün in die Stadt“ ist eine der Kernforderungen der Korschenbroicher Grünen. Warum genau ist dieser Punkt so wichtig?
Tanja Hannemann: In Form von begrünten Freiflächen, Begrünung von Fassaden und Dächern sowie der Anpflanzung von neuen innerörtlichen Stadtbäumen ist „Mehr Grün“ die einzige Möglichkeit, das städtische Klima dauerhaft zu verbessern. CO2 muss absorbiert werden. Temperaturextremen muss entgegengewirkt werden. Flächenversiegelung muss vermieden werden. Und nachweislich senkt eine mit einem Begrünungskonzept versehene Stadt ihre Energiekosten.

„Grüne Lungen“ schaffen Lebensqualität für alle, wirken regelrecht gesundheitsfördernd. Daher – und weil wir den Autoverkehr verlangsamen möchten – fordern wir Grüne, innerorts 5000 Straßenbäume zu pflanzen. Und die Renaturierung von Freiflächen, auch um die Artenvielfalt zu fördern. Schließlich setzen wir uns für Frischluftschneisen in allen Ortsteilen ein.

Es geht also – neben der Steigerung der Lebensqualität – vor allem auch um Resilienz gegen extreme Wetterphänomene wie Hitze, Dürre und Starkregen. Frischluftschneisen, Begrünungskonzepte und deutlich mehr Straßenbäume sind nur drei der geforderten Maßnahmen, um alle Korschenbroicher Ortsteile in Zeiten des Klimawandels zukunftssicher zu gestalten. Welche Prioritäten sollen dabei gesetzt werden?
TH: Damit unsere Forderung nach mehr Grün in der Stadt zu tatsächlichen Erfolgen führt, muss ein Begrünungskonzept erarbeitet werden. Durch den mittlerweile immer schneller fortschreitenden Klimawandel sind längst nicht mehr alle Bäume in der Lage, in überhitzten Städten zu überleben. Die Widerstandsfähigkeit von Pflanzen muss auf Expertenebene besprochen werden. Blühende Bäume, wie z.B. Linden oder Robinien, versorgen Bienen und andere Insekten zusätzlich mit notwendigem Futter.

Korschenbroich verfügt über so viele verkümmerte Bäume, welche in der Vergangenheit wahllos gepflanzt wurden. Ein Gang durch das Hannen-Center im Ortskern von Korschenbroich präsentiert exemplarisch dieses traurige Bild. Daher sollten wir alle Korschenbroicher Bürger*innen dafür sensibilisieren, aktiv für ein gutes Klima vor der eigenen Haustür mitzuwirken. Baumpatenschaften sind in Sommermonaten eine prima Beteiligungsmöglichkeit. Es ist an der Zeit, dass das Bewusstsein entsteht, dass wir nur alle zusammen gegen die Klimakrise wirken können. Jeder kann an positiven Veränderungsprozessen mitwirken.

Wir wollen einen Preis für naturnahe Gärten ausloben und die Anlage von Gemeinschaftsgärten fördern. Warum eigentlich? Sind Gärten nicht Privatsache?
TH: Naturnahe Gärten bieten vielfältige Funktionen. Sie erfüllen für Tiere und Insekten artgerechte Rückzugsräume, die heimische Flora und Fauna kann sich hier entfalten. Solche Gärten sollten sich über heimische, standortgerechte Pflanzen definieren. Diese sind, im Gegensatz zu nichtheimischen Gewächsen, wesentlich widerstandsfähiger gegen Krankheiten und bei Schädlingsbefall. Der Griff zu chemischen Pflanzenschutzmitteln erledigt sich quasi von selbst. Außerdem: Bunte, duftende, summende und zwitschernde Gärten wirken erwiesenermaßen wunderbar auf unsere Seele. Also muss der Trend zu „grauen Wüsten“, besonders in Vorgärten, ein Ende haben.

Jedoch hat nicht jede/r Mitbürger*in die Möglichkeit, einen eigenen Garten zu nutzen. Wir Grünen wollen, dass dennoch allen Korschenbroicher*innen die Möglichkeit gegeben werden kann, Natur zu erleben. Hier haben wir die Idee, z.B. aufgegebene Spielplätze, ehemalige Parkplätze und ähnliche Freiflächen in öffentliche Gärten umzuwandeln. In Gemeinschaftsprojekten können dort naturnahe Gärten entstehen. Schulen und Kitas können Hochbeete anlegen, welche in Projektarbeit eigenverantwortlich betreut werden. Mitbürger*innen, welche aus Altersgründen ihren Garten aufgeben mussten, können ihr jahrelanges Fachwissen einbringen. Ortsansässigen Imkern könnte ein Platz für ihre Bienenvölker angeboten werden. So können generationsübergreifende, bunte Orte entstehen, welche soziales Miteinander fördern und die Aufenthaltsqualität in Korschenbroich verbessern. Andere Kommunen wie Kleve oder Andernach gehen diesen Weg übrigens seit Jahren erfolgreich.

In unserer Kommune gibt es ja zum Glück große Landflächen zwischen den einzelnen Ortsteilen. Wie könnten diese – jenseits der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung – ökologischer gestaltet werden?
TH: Die klassische Feld- an Feldreihung muss ein Ende finden. Um Bodenerosion und Artensterben entgegenzuwirken, sollten Schutzzonen zwischen den einzelnen landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen entstehen. Hecken und Totholzriegel sind hier die Mittel der Wahl. Diese bieten Schutz gegen Wind und Sturm und Lebensraum für eine Vielzahl von heimischen Tieren. Denn Artenvielfalt hilft, Schädlinge, welche die Saat zerstören, biologisch zu bekämpfen. Daher sollten auch Blühstreifen verpflichtend werden. Außerdem wirken Hecken und Remisen gegen Temperaturextreme, da sie Taubildung fördern und die Bodenfeuchte stabilisieren.

Wir Grüne fordern darüber hinaus die Ausweitung von Waldflächen, Biotopvernetzung und die Wiederanlage von Alleen. Nur mit allen diesen Maßnahmen zusammen kann Biodiversität sichergestellt werden.

Nicht zuletzt als berufstätige Mutter von drei Jungs ist es Dir wichtig, dass es attraktivere Freizeit- und Naherholungsangebote in der Umgebung gibt. Was genau schlägst Du vor?
TH: Wer kennt sie nicht, diese Situation: Es ist Wochenende und es wird gemeinsam mit der Familie überlegt, was man unternehmen könnte. Aus meiner Erfahrung ist die Stimmung der Kinder schon dahin, wenn der Ausflug erst mal im Auto beginnt. Die Begeisterung ist jedoch groß, schlägt man Ziele vor, welche fußläufig oder mit dem Fahrrad erreichbar sind.

Korschenbroich bietet vielerlei Möglichkeiten, bereits vorhandene Naherholungsangebote zu erweitern. Denkbar wären u.a. die Umgestaltung des Herrenshoffer Baggersees, ein zweiter Waldspielplatz mit Wasserelementen zentral für alle Stadtteile im Hoppbroich, die Erweiterung von Wanderwegen am Jüchener Bach und am Trietbach sowie die Einrichtung von weiteren Radknotenpunkten z.B. an den S-Bahnhöfen. Neben bestehenden Spielplätzen könnten zudem Angebote wie Boule- oder Beachvolleyballplätze etabliert werden. Hier könnten die jeweiligen Dorfgemeinschaften aktiv eingebunden werden.

Denn eine attraktive Aufenthaltsqualität im Nahbereich schont das Klima, da man dann eher das Auto stehen lässt. Menschen treffen sich gerne an schönen Orten. Und ein lebendiges, soziales Klima ist ein hohes Gut.

(Dieses Interview ist Teil der Gespräche, die wir mit unseren Kandidaten für die Kommunalwahl 2020 veröffentlichen. Inhaltlich im Fokus steht dabei unser 12-Punkte-Programm „Mehr Grün für Korschenbroich“.)

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