Gedanken zur Verkehrswende in Korschenbroich am Beispiel Sebastianusstraße

Wer an einem Samstagvormittag im Ortskern von Korschenbroich unterwegs ist, wird wie in fast allen deutschen Innenstädten zu dieser Zeit mit starkem Autoverkehr konfrontiert. Denn auch für kürzeste Wege – wie zum Brötchenholen, zum Geldautomaten oder in die Eisdiele – ist regelmäßig leider nicht das Fahrrad das Verkehrsmittel der Wahl. Weil es bequem und vordergründig günstig ist, steigen Menschen in der Regel unbedacht ins Auto – auch bei geringen Distanzen, die es zu überwinden gilt. Die Leidtragenden eines solchen Verhaltens sind nicht zuletzt diese Menschen selbst: Weil wenig Parkraum vorhanden ist, kurven sie häufig zwei oder dreimal rund um St. Andreas. Auf Kosten von Lebenszeit und zum Nachteil des mentalen Wohlbefindens. Nicht selten brechen sich dann Stress und Wut in lauten Gefühlsausbrüchen Bahn.

Die Sebastianusstraße ist ab Ecke Mühlenstraße ein so genannter verkehrsberuhigter Bereich. Auch die Steinstraße und ein Teil der Hindenburgstraße gehören dazu. Da es sich dabei aber nicht um eine echte Spielstraße handelt, ist Durchgangsverkehr erlaubt. Autos dürfen allerdings nur Schrittgeschwindigkeit fahren und müssen zu jeder Zeit und an allen Stellen innerhalb des Bereichs Rücksicht nehmen auf andere Verkehrsteilnehmer – insbesondere auf Radfahrer, Fußgänger und spielende Kinder. Es gilt das Postulat der Gleichberechtigung aller Beteiligten.

Die Praxis allerdings sieht anders aus. Denn obwohl einschlägige Verwaltungsvorschriften festschreiben, dass in solchen Bereichen „der typische Charakter einer Straße mit Fahrbahn, Gehweg, Radweg nicht vorherrscht“, ist ebendies hier der Fall. Es gibt eine problematische Aufteilung in Bürgersteig und Fahrbahn. Wer beispielsweise von der Mühlenstraße kommend als Fußgänger auf der Sebastianusstraße in Richtung Kirchplatz geht, wird spätestens vor dem Anker in Bedrängnis geraten. Weil hier auf der engen Fahrbahn kein Platz für zwei Autos ist, nutzen die allermeisten Fahrer den Bürgersteig als quasi naturgegebene „Ausweitung der Kampfzone“. Von Fußgängern wird Unterwürfigkeit erwartet: Wer nicht zurückzieht, wird im Zweifel weggehupt.

Wir Grüne fordern für Korschenbroich zum Thema Verkehrswende unter anderem mehr Platz und Vorrang für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen auf allen Straßen im Stadtgebiet und generell Tempo 30 innerorts. Der Ausbau des Radwegenetzes muss Priorität haben und ergänzt werden durch eine möglichst großflächige Einführung von Fahrradstraßen. Schließlich brauchen wir sichere Fußwege an allen Straßen – nicht zuletzt unseren Kindern und Menschen mit Behinderungen zuliebe.

Wahrscheinlich wird dies alles aber im konkreten Fall keine ausreichende Wirkung zeigen. Daher sollten die Verantwortlichen in Rat und Verwaltung zusammen mit allen Beteiligten und Betroffenen einen Prozess anstoßen mit dem klaren Ziel, den bisher verkehrsberuhigten Bereich autofrei zu gestalten. Dabei muss es zu einem fairen Interessenausgleich kommen. Sowohl der ansässige Einzelhandel als auch dort wohnende Eltern mit Kindern, Patienten aus der Niederrheinklinik und die Seniorin mit dem Rollator auf dem Weg in die Kirche: alle müssen gehört und beteiligt werden. Denn am Ende sollte das Gemeinwohl den Ausschlag geben.

Um auf die komplizierte Situation vor Ort aufmerksam zu machen – und um Ideen und Lösungsvorschläge zu sammeln – sind Vertreter von Bündnis 90 / Die Grünen am 21. März zwischen 10:00 – 12:00 Uhr mit einem Infostand vor Ort präsent und AnsprechBar. Wir freuen uns auf viele Begegnungen und Meinungen. Diese Aktion ist aufgrund der aktuellen Pandemielage leider abgesagt, wird aber so schnell wie möglich nachgeholt.

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